• markus tornow
    markus tornow
    2013-12-13

    Und dann ist da noch die Mär vom Iwan, der nach der deutschen Niederlage grausame Untaten begangen hätte. Diese haben dann zur Flucht geführt. Zu Fuss. Aus Königsberg. Im Winter.

    Durch Zufall sind mir zwei Bücher Gräfin Dönhoff in die Hände gefallen. Der Osten: ein blühende Landschaft, die der Russe dann zerstört hat. (Dass der Osten im Westen als rückstandiger Landstrich angesehen wurde und sein Einwohner als primitive Bauern, die nach der Flucht im Westen als Pollacken beschimpft wurden, verschweigt die Gräfin natürlich. In dem Fall von dem ich spreche, war schon Pollacke, wer aus der Nähe von Berlin kam. Also noch gar nicht so weit im Osten).

    Grass hätte ja in Masuren bleiben können. Oder zumindest später umziehen können. Also wenn ihm die Heimat so furchtbar fehlt. Ich hätte ihn nicht gehalten.

    Also nein, an Mitleid mit sich selbst hat es den Deutschen nach dem Krieg und nach dem (selbst gewählten) Faschismus (von dem man dann auch wieder ein Opfer war) mit Sicherheit nicht gefehlt.

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  • sfb
    sfb
    2013-12-13

    In Polen hätten die meisten tatsächlich einfach bleiben können sofern sie die polcische Staatsangehörigkeit annehmen. Das sollte heute mal Flüchtlingen anbieten: Also, wenn Du hier bleiben willst musst Du schon Staatsbürger werden...

    Aber der Trümmerfrauen sind schon nochmal ein eigener Mythos siehe: https://joindiaspora.com/posts/2032ed46fbc03abd

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  • markus tornow
    markus tornow
    2013-12-13

    Mhh... also meine Vorfahren mütterlicherseits kamen aus dem heutigen Polen (Bromberg). Ich weiss zwar nicht, ob sie die polnische Staatsangehörigkeit gehabt haben, glaube allerdings schon -doppelte eben? (zumindest wäre es kein Problem gewesen, denke ich, da sie besser polnisch als deutsch sprachen, und teilweise ihr Leben lang taten). Ich denke schon, sie hätten bleiben können. Es wurden aber Schauermärchen von den mordenden und vergewaltigenden Russen erzählt, welche die meisten zur Flucht bewogen hat, die Schauergeschichten, nicht die angeblichen Taten (Dass man dann im Westen nicht gerade gern gesehen wurde verschweigen die Meisten, wie bereits gesagt).

    Genau kann ich das nicht sagen, da meine Vorfahren sicht mächtig geschämt haben aus diesem Landstrich zu kommen (wo es einen grossen Anteil an Polen gab). von daher haben sie immer nur wirres Zeug, ohne Hand und Fuss, erzählt.

    Ich sehe da keinen eigenen Mythos. Bombardierung von Dresden, der böse Russe, die Trümmerfrauen, die schlechte Zeit nach dem Krieg, Kriegsvertriebenen, die Flucht, und so weiter, und so weiter. Gleichzeitig wurde zumindest mir immer gesagt, der Holocaust sei ja nu wirklich lange vorbei (war er ja auch, aber eben auch zeitgleich wie die Ereignisse, die man nicht müde wurde runterzuleiern, siehe Grass). Nirgendwo, bei den deutschen Mythen, kommt man auf den Gedanken, dass man sich die Suppe ja erstmal selbst eingebrockt hat. Man stellt sich selbst also als Opfer dar. Obwohl man sich ja nu wirklich nicht beklagen kann (sowohl der Westen wie auch die UDSSR sind mit den Deutschen angesichts ihrer Taten aussergewöhnlich human umgegangen, und die Täter hatten zumindest in der BRD im Normalfall nichts zu befürchten).

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  • sfb
    sfb
    2013-12-13

    Ja Bydgoszcz, Da gab's '39 den berüchtigten Blutsonntag. Und unglaubliche 'Berichte' darüber in allen deutschen Zeitungen...

    Kennst Du, Johannes Bobrowski, Levins Mühle? Ist super zu dem Thema polnische Deutsche und deutsche Polen und so...

    Trümmerfrauen insofern ein eigener Mythos, weil steht im Artikel und wird auch grad recht viel zu geforscht...

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