• Wolfgang Strobl
    Wolfgang Strobl
    2020-08-30

    Leute mit utopischen Ideologien wie diesen, mit ihrer Abneigung gegen glatten Asphalt und - als Radfahrer - gegen rote Ampeln sind es, die mit zu der beklagten Abhängigkeit vom Auto beitragen. Unabsichtlich zwar, aber "gut gemeint" ist leider häufig das genaue Gegenteil von gut.

    Wenn man in einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten, niedrigenergetischen utopischen Gesellschaft auf Individualmobilität nicht völlig verzichten wollte, stellte das Fahrrad das einzige Verkehrsmittel dar, das den Aktionsradius des Menschen auf verträgliche Weise erhöhen könnte, konkret um etwa den Faktor fünf, wodurch sich die erreichbare Fläche um etwa den Faktor 25 vergrößerte. Wenn das nicht nur utopische Träumereien sein sollen, ohne Hand und Fuß und ohne jeden Sinn, dann wird man aber vom Status Quo ausgehen müssen und der Infrastruktur, die vorhanden ist. Zu dieser Infrastruktur gehören auch die Fahrbahnen. Die sind bereits vorhanden, es wäre eine Verschwendung, sie nicht zu nutzen.

    Tatsächlich wurden die ersten Radwege von Radfahrern bzw. deren Clubs eigenhändig am Rande der Straßen angelegt, als die seinerzeit noch unbefestigte Schlamm- und Schlaglochpisten waren, weil Radfahrer von glatten Oberflächen viel abhängiger sind als Kfz, die kräftezehrende Hindernisse wie Schlaglöcher oder Lehmkuhlen einfach mit mehr Kraft überwinden können.

    Inzwischen hat sich die Relation umgekehrt: man findet kaum noch Straßen, bei denen der Radweg nicht eine minderwertigere Begleiterscheinung der begleiteten durchgehenden, perfekt asphaltierten Straße ist, mäandernd, ein Auf und Ab, wo die Fahrbahn in einer Ebene gefahren wird, mit schlechtem, gepflasterten, bröckeligem, oft nicht mal asphaltiertem Untergrund, unübersichtlich und aufgrund der unkonventionellen Führung (Gradeausverkehr auf der falschen Seite von Abbiegeverkehr, aussenorts oft auch auf der falschen Straßenseite).

    Hier bestünde eine Chance, solche Utopien Schritt für Schritt Wirklichkeit werden zu lassen, eines Abbaus von Kfzverkehr bedürfte es dafür nich. Erforderlich wäre zunächst lediglich der Schritt, der schon verkehrsmäßig radfahrenden Minderheit wenigstens eine Chance zu geben, das legal zu tun und so Vorbild zu sein. Episteln wie die verlinkte hingegen machen, wenn man realisisch ist, SUVzu einer attraktiven Alternative zu weniger zerstörerischen Alternativen. Denn die sind mit Schotterwegen etc. kaum zu bremsen.

    0