• Wolfgang Strobl
    Wolfgang Strobl
    2021-06-24

    Ein Fehler wird nicht korrigiert, indem man einen anderen Fehler macht. Infrastruktur, vulgo “Radwege” sind nicht die Lösung, sondern ein wesentlicher Teil des Problems, das zu lösen wäre. [Schreibfehler korrigiert]

    Ich empfehle jedem, der sich zu diesem Thema äußert, sich in das Thema "vehicular cycling" oder wie ich es hierzulande gerne nenne, "verkehrsmäßiges Radfahren" einzulesen. Ein guter, wenn auch sperriger Anfang ist das, was derjenige, der meines Wissens mehr als andere zu dem Thema geforscht hat, dazu schrieb, John Forester.

    Ich selber habe jahrelang das Mantra von den Radwegen wiederholt, die uns vor dem lebensgefährlichen Autoverkehr schützten, bis ich im Rahmen meiner Arbeit im ADFC (Verkehrsreferent in einem Kreisvorstand ist ein sehr undankbarer Job) bemerkte, dass die propagierten Rezepte alle nicht bzw. nur auf dem Papier funktionierten, nicht in der täglichen Praxis. Erst viel später bin ich dann darauf gestoßen, dass viele der verkehrswissenschaftlichen Überlegungen, die daraus resultierten, schon viel früher von John Forester systematisch bearbeitet worden waren und die daraus resultierenden Thesen sehr ähnlich.

    Ein Einstieg wäre z.B. die Leitseite https://www.johnforester.com/

    Kernsatz ist Cyclists fare best when they act and are treated as drivers of vehicles.

    Eine unmittelbare Folge aus diesem Satz ist es, das Konzept einer separierten Radverkehrsinfrastruktur, vornehmlich aber straßenbegleitende Radwege aufzugeben. Wir haben zwar Frauenparkplätze, aber wir haben weder separate Frauenfahrspuren, noch solche für E-Autos oder für Golf GTI oder für über 70jährige Autofahrer. Wenn man sich überlegt, warum das so ist, kommt man schnell darauf, dass die meisten der Gründe dafür auch für das Verkehrsmittel "Fahrrad" zutreffen.

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  • lester_bangs@despora.de
    lester_bangs@despora.de
    2021-06-24

    @wolfgang
    Ich freue mich über jeden "echten" radweg.
    Also nicht nur ein weißer strich auf der straße sondern ein separierter eigener, breiter weg.
    Denn dann kann auch mein sohn drauf fahren.
    Den laß ich nicht auf die straße.
    Ich werde alke 2 wochen beinahe überfahren und überlebe das bisher nur wegen meiner größe und lautstärke. Mein sohn soll das nicht.

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  • >sfb< SigmundFreud'sBartender
    >sfb< SigmundFreud'sBartender
    2021-06-24

    Ich überlebe sowas v.a. wegen meinen Bremsen.

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  • lester_bangs@despora.de
    lester_bangs@despora.de
    2021-06-24

    Auch.
    Ich will jedenfalls nicht, daß mein kind da fährt

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  • >sfb< SigmundFreud'sBartender
    >sfb< SigmundFreud'sBartender
    2021-06-24

    kann ich (leider) nachvollziehen.

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  • Wolfgang Strobl
    Wolfgang Strobl
    2021-06-24

    @lester bangs Wenn man alle zwei Wochen beinahe überfahren wird, macht man definitiv etwas falsch. Ich bin jahrzehntelang mit dem Rad durchs Verkehrsgewühl über eine längere Distanz zur Arbeit gefahren, das war gewiss kein Zuckerschlecken. Radwege waren dabei aber nicht die Lösung, sondern tatsächlich das hauptsächliche Problem (-> "Prinzip Radweg")

    Zum Thema der immer wieder neuen Variationen von echten oder unechten, mehr oder weniger separaten, aber nahezu immer benutzungspflichtigen Radwegen habe ich mich in
    Insanity Is Doing the Same Thing Over and Over Again and Expecting Different Results
    geäußert. Als ich vor gut dreissig Jahren anfing, mich für Radverkehrspolitik zu interessieren, waren meine Kinder noch nicht in der Schule, begleiteten uns aber schon ausgiebig auf Radtouren in nähere Umgebung, oder im Urlaub. Auch in den Kindergarten wurden sie nicht mit dem Auto gebracht, sondern fuhren, nachdem sie Radfahren gelernt hatten, auf eigenem Rädchen, auf dem Bürgersteig. Radwege gibt es in den Wohnvierteln hier wie in den meisten alten Städten zum Glück nicht und wird es auch nie geben, aus Platzgründen. Auf Radtouren haben wir zwar anfangs auch die separaten Radwege gesucht, über die vielfältigen Fallen geflucht und sie der Ausführung zugeschrieben, nicht dem Prinzip. Aber wir haben im Laufe der Zeit dazugelernt und haben mehr und mehr die weniger verkehrsbelasteten Landstrassen gesucht und sind später dann auch mit stärker belasteten Bundesstraßen gut zurechtgekommen und haben sowohl Straßen mit strassenbegleitenden Radwegen als auch separate (im Sinne von "nicht straßenbegleitend") mehr und mehr gemieden. Die Kinder haben an dem Lernprozess teilgenommen.

    Interessant ist, dass der ADFC, in dem wir schon kurz nach seiner Gründung eine Familienmitgliedschaft hatten und in dem ich eine Weile sogar im örtlichen Kreisverband als Verkehrsreferent arbeitete, etwa zu der Zeit ebenfalls begann, sich von den so genannten straßenbegleitenden baulich getrennten Radwegen zu lösen, allerdings vehement als Ersatz die Radstreifen ("weißer Strich auf der Straße", faktisch aber eher Rattermarke aus Heißplastik auf der Fahrbahn) zu propagieren. Auch das funktionierte nicht wirklich, weil fast nirgendwo durchgehend (!) genügend Platz für so etwas ist - irgendwo müssen all die Pfosten für Abtrennungen, Verkehrsschilder, Ampeln, die Straßenbäume, Baumscheiben etc. pp ja hin -. Also erfand man von Amts wegen quasi eine Spar- und Billigversion der Radstreifen, funktionierte einen in der StVO etablierten Begriff "Schutzstreifen" um und erfand das, was von erfahrenen Radfahrern gern Sch(m)utzstreifen genannt wird: einen Radstreifen, der gerade mal so breit ist, wie Platz vorhanden ist, ggfs. auch gerne so wenig, wie man normalerweise für die Fahrbahnrandmarkierung braucht, die den unbenutzbaren Teil der Fahrbahn abtrennt. Auch hier ging der ADFC zunächst begeistert mit.

    Aktuell propagiert man jetzt wieder eine aufgeblähte Form der Radstreifen mit dem bewußt euphemistisch konstruierten Namen "protected bike lane". Aber es ist schon abzusehen, dass man demnächst dann einmal im Kreise herumgelaufen ist und auch wieder das propagieren wird, womit man 1979 begann, den Hochbordradwegen. Das Konzept ist offenbar untauglich, wie John Forester schon 1984 in "effective cycling" ausführlich beschrieb. Untauglich, um Radfahrer ihr Fahrrad im Alltag als leistungsfähiges, schnelles, bequemes und auch sicheres Verkehrsmittel nutzen zu lassen - aber bestens geeignet, Herrn oder Frau "ich fahr' ja auch Rad" als zahlendes Mitglied eines Vereines zu werben, der sich nie von den Wurzeln seiner Gründer aus dem Touristikgewerbe hat lösen können, aber nicht zuletzt deswegen Marketing aus dem ff. beherrscht.

    TL;DR so gejammert wie da oben zitiert habe ich auch mal, insofern habe ich durchaus Verständnis. Aber das ist sehr lange her und ich habe dazugelernt. Es macht Mühe, weil populistische Konzepte leichter zu vertreten sind und einem den Platz am Tisch mit den Großen sichert (wonach der ADFC förmlich giert, Grüße an Herrn Scheuer!) und man auf die Weise sowohl naive Radfahrer einsackt als auch Autofahrer, die Radfahren für eine gefährliche Spielerei halten, welche man besser auf Verkehrskindergärten und Waldwege beschränkt. Aber es hilft enorm, um im Alltagsverkehr mit dem Fahrrad bestens zurechtzukommen, auch und gerade mit (zu) viel Autoverkehr.}

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  • lester_bangs@despora.de
    lester_bangs@despora.de
    2021-06-24

    Mir die schuld für entgangene unfälle zu geben finde ich ..... mutig

    1
  • Wolfgang Strobl
    Wolfgang Strobl
    2021-06-24

    @lester bangs Das kann ich leider nicht nachvollziehen. Wer gibt Dir die Schuld für entgangene Unfälle? Was genau bedeutet das überhaupt? Wenn ich mal zu interpretieren versuche: Du wirst regelmäßig das Opfer von dem, was ich "Verkehrserziehung mit der Stoßstange" nenne und genau so wenig mag wie Du.

    Ich habe allerdings in den letzten Jahrzehnten gelernt,

    1. dass straßenbegleitende benutzungspflichtige Radwege, selbst solche, deren Existenz nur vermutet wird, solche Bedrohungen fördern bzw. oft überhaupt erst verursachen

    2. dass es fast immer bei der Bedrohung bleibt - ein Autofahrer, der Dich anhupt oder erkennbar absichtlich schneidet, signalisiert zwar, dass Du von dem Teil der Strasse verschwinden sollst, den er als für sich reserviert ansieht, er (oder sie, um hier realitätsnah zu bleiben) signalisiert aber gleichzeitig auch, dass die Autofahrerin Dich gesehen und wahrgenommen hat. Das ist schon die halbe Miete. Niemand fährt Dich absichtlich tot. Aus "Versehen" aber schon, das ist jedoch schon der nächste Punkt.

    3. dass die Flucht in die vermeintlichen Schonräume (Radwege also), welche das Radfahren nicht nur behindert, sondern es auch deutlich unsicherer macht, weil Sichtbeziehungen eliminiert und der Radverkehr praktisch ausgeblendet und von Kraftfahrern nicht mehr wahrgenommen wird. Eine dänische Studie ergab mal, dass straßenbegleitende Radwege etwa drei bis zwölf mal so gefährlich sind wie eine ansonsten identische Fahrbahn ohne Radweg. Die Ursachen dafür sind nicht schwer zu finden und längst bekannt. Kurz gesagt, Radwege und insbesondere die durch sie erheblich erhöhte Zahl der Querungen mit Kfzverkehr (im Vergleich zur nicht aufgeteilten Fahrbahn) ist eine weitere Ursache.

    Regelrecht bizarr ist, dass viele Radfahrer, die Radwege bevorzugen und diese deswegen eisern benutzen, manchmal auch dort, wo sie unbenutzbar oder eigentlich Gehwege sind, aufgrund der vielen Beinaheunfälle dort zu dem Schluss kommen, das Radfahren gefährlich ist, der Autoverkehr noch gefährlicher und dass man mehr Radwege braucht. Selbst wenn ein 14-jähriger auf einem Radweg von einem in eine Firmeneinfahrt rechts abbiegenden Lkw angefahren und schwer verletzt wird, kann es passieren, dass einem die von dem gerade erst in der Nähe ihrer Wohnung passierten Unfall tief betroffenen Eltern eines anderern Kindes erzählen: "wir brauchen mehr Radwege!". Das, nachdem man ihnen gerade erklärt hatte, warum dieser Unfall ohne diesen Radweg gar nicht hätte stattfinden können und mit diesem Radweg praktisch vorhersehbar war. M.a.W. wenn man glaubt, dass Radwege sicher sind und die Mängel des abstrakten Konzepts nicht versteht, baut man auch konkrete Beispiele dafür, denen jemand tatsächlich zum Opfer fiel, in diesen Glauben ein - übrigens offenbar, ohne sich des Widerspruchs überhaupt bewußt zu werden.

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  • lester_bangs@despora.de
    lester_bangs@despora.de
    2021-06-24

    "@lester bangs Wenn man alle zwei Wochen beinahe überfahren wird, macht man definitiv etwas falsch"
    Wie soll ich das sonst nennen?
    Ich werde regelmäßig aud der straße fast überfahren. Und nicht aus erzieherischen maßnahmen, sondern aus unaufmerksamkeit.
    Eine straße für alle geht nur bei tempo 20.

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  • Wolfgang Strobl
    Wolfgang Strobl
    2021-06-25

    Ich sag mal so - Fahräder^*)^ sind seit fast vierzig Jahren unser Hauptverkehrsmittel, sowohl im Alltag, als auch im Urlaub. Etwas unerwartet, aber mit etwas Nachdenken durchaus erklärlich, war uns dabei weniger der Autoverkehr im Wege, sondern eine übertriebene Angst vor dem Autoverkehr, sowie die Leute, die aus unterschiedlichen Motiven diese Angst vor dem Radfahren schüren. Darunter hat die Gruppe der Zeloten, die mehr über das Radfahren reden als es tatsächlich praktizieren, einen unangenehm hohen Anteil.

    Das könnte einem eigentlich alles weitgehend egal sein, lass' sie doch jammern, wir fahren einfach weiterhin so auf den Strassen wie immer (sprich: der Fahrbahn), trotz Autoverkehr. Diese Leute sind aber angetreten, das Verkehrsmittel Fahrrad nicht nur ideologisch, sondern auch faktisch zu ruinieren, indem sie die Verdrängung des Radverkehrs auf minderwertige Ersatzwege propagieren. Bei allem Verständnis für die faktischen Irrtümer, auf denen das basiert, denen ich anfangs auch unterlag, ich neige inzwischen zu der pragmatischen Sicht, wie sie John Forester formuliert hat.


    ^*)^ Richtige Fahrräder meine ich, nicht elektrisch angetriebene

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  • >sfb< SigmundFreud'sBartender
    >sfb< SigmundFreud'sBartender
    2021-06-25

    Ich habe keine Führerschein, meine erste Ingewahrsamnahme war auf einer mobilohneAuto demo ich fahre nur mit dem Rad in den Urlaub... ich versteh deinen Ansatz dennoch nicht wirklich.

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  • Wolfgang Strobl
    Wolfgang Strobl
    2021-06-25

    @>sfb< SigmundFreud'sBartender Deinen Ansatz verstehe ich auch nicht wirklich. Das könnte aber daran liegen, dass ich nicht mehr darüber weiß, als was Du hier gerade darüber geschrieben hast. Da ich in den Kommentaren hier und generell unter #radverkehrspolitik einiges zu meinem Ansatz geschrieben habe, wäre es vielleicht hilfreich, wenn Du darlegtest, worin Dein Ansatz besteht, worin er sich im Wesentlichen von meinem unterscheidet und warum Du ihn für besser hältst. Es geht mir primär um konkrete Ziele und konkreten Nutzen.

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  • >sfb< SigmundFreud'sBartender
    >sfb< SigmundFreud'sBartender
    2021-06-25

    Mein Ansatz ist im Alltag zu überleben und noch lange alles mit dem Rad machen zu können und sonst politisch gegen Autos vorzugehen.

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  • lester_bangs@despora.de
    lester_bangs@despora.de
    2021-06-26

    Sfb +1

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  • Wolfgang Strobl
    Wolfgang Strobl
    2021-06-26

    @>sfb< SigmundFreud'sBartender Das sind zwei Ziele und eine Aktivität, deren Zusammenhang erklärungsbedürftig wäre. Dann würde vielleicht ein Ansatz daraus. So suggeriert es eine Art (m.E. gescheiterte) Strategie, die unverblümt zu formulieren Du Dich offenbar nicht traust.

    Was mich betrifft, um im Alltag überlebt zu haben (ich übernehme des Arguments wegen diese gespreizte Formulierung) und fast alles mit dem Rad gemacht zu haben, wofür andere Leute ein Motorfahrzeug zu brauchen glauben, war es hilfreich, die unbegründeten Ängste vor dem Radfahren abzulegen, meine Zeit nicht bzw. nicht mehr mit einem offensichtlich erfolglosen Vorgehen (?) gegen Autos zu verschwenden, sondern alles zu tun bzw. zu propagieren, was meiner Familie und mir erlaubt, unter den gegebenen Umständen, der Autoverkehr einschließt, tatsächlich besser - zügiger, erfreulicher, bequemer, sicherer - radzufahren. Was sich daraus für Konsequenzen ergeben, ist als "vehicular cycling" bzw. "verkehrsmäßiges Radfahren" bekannt.

    TL;DR Jemand, der im Alltag und bei jeder sich sonst bietenden Gelegenheit mit dem Fahrrad auf der Fahrbahn unterwegs ist, tut das primär, weil es besser funktioniert. Es ist aber auch eine deutliche und bessere Demonstration für das Radfahren als einmal im Monat am Freitag im Pulk gegen das Auto und für das Radfahren in Schonräumen zu demonstrieren, sowie Flugzettel zu verbreiten, dass Radfahren lebensgefährlich sei.

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  • >sfb< SigmundFreud'sBartender
    >sfb< SigmundFreud'sBartender
    2021-06-26

    DU bist sicher ein Held für uns Radfahrende @Wolfgang Strobl, keinen Bock auf beef meinerseits. Bussi<3

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  • lester_bangs@despora.de
    lester_bangs@despora.de
    2021-06-30

    „Wir bräuchten Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen mit Menschen, das ist nämlich die Geschwindigkeit der Radfahrer. Dort, wo sich Rad, Fußgänger und Auto begegnen, benötigen wir aber Tempo 20. Wir müssen die Differenzgeschwindigkeit zwischen Auto und Rad verringern, sonst verringert sich auch nicht die Zahl von getöteten Fuß- und Radfahrern“, sagt der ehemalige Abteilungsleiter des deutschen Umweltbundesamtes, der heute für die Deutsche Umwelthilfe arbeitet.

    https://taz.de/Staedte-gegen-Individualverkehr/!5783309/

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  • Wolfgang Strobl
    Wolfgang Strobl
    2021-06-30

    @lester bangs Als langjähriger Stadtbewohner bin ich (sind wir, diesbezüglich kann ich für meine ganze Familie sprechen, in insgesamt drei Großstädten) in Hinsicht völlig bei Dir.

    Wir wohnen in einer Tempo-30-Zone, schätzen das sehr und würden von Tempo 30 auf Hauptverkehrstraßen gewiß profitieren, vornehmlich dadurch, dass ein Teil des mörderischen Krachs deutlich reduziert würde. Als Voraussetzung des Radfahrens brauchen wir es nicht.

    Auch wenn es also durchaus angenehm wäre, wir brauchen Tempo 30 in der Stadt zum Radfahren nicht, weder als Voraussetzung, noch als Ausrede. Mehr noch, wir sind es leid, für alle möglichen Verkehrsberuhigungsmaßnahmen von Dritten vorgeschoben zu werden, Maßnahmen die dann im Umkehrschluss bestens geeignet sind, uns als radfahrende Verkehrsteilnehmer von den Straßen (sprich: den Fahrbahnen) weg auf die Dreckränder der Straßen und auf umgetaufte Bürgersteige zu verdrängen, wenn es aus dem einen oder anderen Grund bei der Umsetzung hapert.

    Auch außerhalb geschlossener Ortschaften brauchen wir weder Tempo 50, noch Tempo 70 auf den Land-, Kreis- oder Bundesstraßen, um dort mit dem Rad fahren zu können, aus denselben Gründen. Es gibt diverse mögliche Verbesserungen, die auf unserer Wunschliste viel weiter oben stehen.

    Ich bin jahrzehntelang auf einer Route zur Arbeit gefahren, in der eine bunte Mischung von Tempolimit 30, 50, 70, 80 und 100 km/h galt und fahre auch als Rentner meine Runden (-> #Hausrunde) problemlos auf solchen Straßen. Die Stücke außenorts mit Limits oberhalb von 50 waren auf dem Weg zur Arbeit die am wenigsten problematischen, wenn man mal die Probleme der damit begründeten benutzungspflichtigen Radwege wegläßt.

    Auch hier gilt: schärfere Limits begrüße ich als Mensch, Anwohner usw. aus allen möglichen Gründen, kulturellen, gesellschaftlichen, wissenschaftlichen wie ästhetischen durchaus - um ein Fahrrad genau so sicher benutzen zu können wie ein Moped, Motorrad, Auto oder sonst ein straßentaugliches Fahrzeug brauche ich das nicht. Hier gehe ich noch einen Schritt weiter: jedem verständigen Menschen, dem man Autofahren oder Motorradfahren beibringen kann, kann man auch beibringen, auf denselben Straßen (Fahrbahnen) genau so versiert radzufahren.

    Was Aussagen von Behörden und Ämtern zum Thema Radfahren angeht, bin ich im Laufe der Zeit sehr skeptisch geworden - wenn man in diesen Kreisen nicht direkt die Infantilisierung des Radverkehrs propagiert, sich den Radfahrer gewissermaßen als jemanden vorstellt, der gerade einem Verkehrskindergarten entsprungen ist, dann wird er (oder sie) vornehmlich als Mittel zum Zweck, als Verfügungsmasse gesehen, nicht als Subjekt, dessen Interessen eine Rolle spielen oder spielen sollten, wenn man "Umweltbundesamt" heißt. EIn Beispiel, das ich hier kritisiert habe, ist "Verkehrswende für ALLE".

    Dort, wo sich Rad, Fußgänger und Auto begegnen, benötigen wir aber Tempo 20.

    Das ist derart absurd, dass es mir die Sprache verschlägt. Es läuft auf die kaum verblümte Forderung hinaus, das nicht motorisierte Fahrrad als Verkehrsmittel generell zu verbieten.

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