• Sven Türpe
    Sven Türpe
    2021-07-08

    Nein, wenn Kurse einbrechen, wird niemand gerettet. Warum auch? Kurse sind nur die Preise für Wertpapiere und wenn sie sinken, kann man für dasselbe Geld mehr davon kaufen.

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  • Felix Tiede
    Felix Tiede
    2021-07-08

    Kommt auf das Unternehmen an...
    Lufthansa, Volkswagen, Deutsche Bank - wenn deren Kurse einbrechen, werden sie gestützt.

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  • Sven Türpe
    Sven Türpe
    2021-07-08

    @Felix Tiede Nein, es ist umgekehrt, die Kurse brechen ein, wenn ein Unternehmen Hilfe braucht. Wer jetzt Lufthansa-Aktien kauft, erwirbt einen Anteil an geringeren Gewinnaussichten: Das Unternehmen macht noch eine ganze Weile weniger Umsatz und muss obendrein Schulden – nichts anderes sind die Staatshilfen – zurückzahlen. Deshalb bekommt man Lufthansa-Aktien heute billiger.

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  • Felix Tiede
    Felix Tiede
    2021-07-08

    Der Punkt ist:
    Aktienkurse brechen ein, weil Unternehmen in (finanzielle) Schieflage geraten und die Anteilseigner nicht mehr glauben, daß der Laden den gegenwärtigen Preis noch wert ist - soweit sind wir uns einig.

    Ist die Firma aber groß genug, werden oft genug Staatshilfen mit (für den Staat) schlechten Konditionen (vergl. "Bankenrettung") gezahlt - was nichts anderes heißt, als daß die Anteilseigner eben gerade keinen Totalverlust hinnehmen müssen.

    Lufthansa ist ein tolles Beispiel: Bei einem Marktwert von ~9 Mrd. € sind Staatshilfen von rd. 9 Mrd. € geflossen.
    Letztlich ist Lufthansa damit eigentlich komplett pleite und jetzt zu 100% im Staatsbesitz. Statt aber die Anleger ihren Totalverlust tragen zu lassen, hat der Staat sie ausbezahlt und trotzdem gehört ihnen der Laden immernoch.

    Und darauf zielt der Comic:
    Ist der Laden erst als "systemrelevant" eingestuft, tragen die Anleger kein (Ausfall-)Risiko mehr, bekommen aber Dividenden und können sich den Wert ihres Aktienpaketes als "Vermögen" zuschreiben. Und je größer das Paket (sprich: je reicher der Aktionär), desto effizienter funktioniert diese Sozialisierung der Risiken.

    Der Steuerzahler, der diese Risiken trägt, hat am Ende wenig davon.

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  • (: aNNa :) blume
    (: aNNa :) blume
    2021-07-08

    danke @Felix Tiede - gut erklärt

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  • eggsperde@pod.geraspora.de
    eggsperde@pod.geraspora.de
    2021-07-08

    Hab selbst ein paar VWL und BWL-Vorlesunge besucht.... aber so schön hat das damals keiner zusammengefasst. Danke @Felix Tiede!

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  • Olaf
    Olaf
    2021-07-08

    Hatte Lufthansa damals nicht nur 4,5 Mrd Marktwert?

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  • Sven Türpe
    Sven Türpe
    2021-07-08

    @Felix Tiede Wie erklärst Du unter Deinen Prämissen die Nichtrettung von Wirecard?

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  • BERTRAM DG7BBA BAB' ZäHLPIXEL
    BERTRAM DG7BBA BAB' ZäHLPIXEL
    2021-07-08

    Die Lufthansa hatte nach meiner Information (aus dem Radio) damals einen Marktwert von ca. 3 Mrd.

    "Nichtrettung von"

    Und wer RETTET mein SYSTEMRELEVANTES BITCOIN-Passwort?

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  • Felix Tiede
    Felix Tiede
    2021-07-08

    Wirecard waren ~2 Mrd. € "verlorenes Kapital", weder war der Laden besonders groß noch beschäftigte Wirecard besonders viele Leute oder war seinerseits Eigner solcher Unternehmen.

    Bei Lehman Brothers waren es von Anfang die Schulden privater Immobilienbesitzer und das war auch bekannt - es war nur deren Zahlungsfähigkeit falsch bewertet worden.

    Wirecard galt nie als "systemrelevant", der Skandal war bei Wirecard, daß die Aufsicht einfach komplett versagt hat - betrügerisches Fehlen von behauptetem Eigenkapital, keine Jobs, keine Beteiligungen und ein flüchtiger Finanzvorstand.
    Wirecard zu retten wäre politisch wohl nicht opportun und auch nicht vertretbar gewesen.

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  • Felix Tiede
    Felix Tiede
    2021-07-08

    @Olaf F

    Hatte Lufthansa damals nicht nur 4,5 Mrd Marktwert?

    Ich meine die jüngste Rettung nach dem Einbruch des Fluggeschäfts im Zuge der Coronapandemie.
    Was vermutlich auch noch länger ein Problem sein wird, da die Lufthansa mit Geschäftsreisen verdient hat und gerade diese Klientel inzwischen bemerkt hat, wie überflüssig viele dieser Reisen sind - und immer waren.

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  • Bodo Boson
    Bodo Boson
    2021-07-08

    isaufdenpunkt!

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  • Olaf
    Olaf
    2021-07-09

    Ja, Felix, diese Rettung meinte ich auch, die mit den 9 Mrd Euro, wofür die Bundesregierung dann lächerliche 20% Anteile bekommen hat. Ich habe das selbst nie überprüft, deshalb kann es durchaus falsch sein, aber ich las damals von einem Marktwert von 4,5 Mrd, was bedeuten würde, dass die Bundesregierung den Laden hätte zwei Mal kaufen können, sich aber mit einem Fünftel zufrieden gab.

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  • Felix Tiede
    Felix Tiede
    2021-07-09

    Tja…
    Gut zu wissen, daß unsere Steuergelder von diesen kompetenten Menschen verwaltet werden, nicht wahr…?

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  • Sven Türpe
    Sven Türpe
    2021-07-09

    Hätte die Bundesrepublik die Lufthansa für 9 Milliarden Euro gekauft, stünde sie jetzt mit einem verschuldeten Unternehmen da, das sich über längere Zeit nur mit Verlust verkaufen ließe. Überdies wäre das ganze Geld nicht an die Lufthansa, sondern an ihre Aktionäre geflossen und man hätte weitere Milliarden aufwenden müssen, um die Liquidität und damit den Erhalt des Unternehmens zu sichern. Zugleich wäre jeder Anreiz weggefallen, sparsam zu wirtschaften und schnell aus den roten Zahlen zu kommen. Das wäre ein sehr schlechtes Geschäft geworden.

    Stattdessen hat die Bundesrepublik der Lufthansa einen Kreditrahmen bereitgestellt, aus dem die Lufthansa nicht neun, sondern nur 2,5 Milliarden Euro abgerufen hat. Obwohl ihre Krise noch lange nicht überwunden ist, hat die Lufthansa längst begonnen, die Staatshilfen abzulösen und die Risiken vom Staat auf den Kapitalmarkt zu verlagern, wo sie hingehören.

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  • Thomas Runge
    Thomas Runge
    2021-07-09

    Der Punkt ist: Aktienkurse brechen ein, weil Unternehmen in (finanzielle) Schieflage geraten und die Anteilseigner nicht mehr glauben, daß der Laden den gegenwärtigen Preis noch wert ist - soweit sind wir uns einig.

    Nö, da sind wir uns nicht einig.

    Sowohl im "Corona-Crash", als auch in der Finanzkrise von 2008 sind die Kurse fast aller Unternehmen weltweit eingebrochen. Das hat nichts mit der finanziellen Lage oder der Gewinnerwartung der einzelnen Unternehmen zu tun, die hat sich nämlich bei den meisten Unternehmen so kurzfristig gar nicht verändert.

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  • Felix Tiede
    Felix Tiede
    2021-07-09

    Mit anderen Worten:
    Der Steuerzahler hat für eine Kreditlinie gebürgt, die gereicht hätte, das gesamte Unternehmen zu kaufen.

    Es mag angehen, daß der Staat bei der Lufthansa besser verhandelt hat, als er das in der Vergangenheit getan hat, ich erwähne noch einmal das Stichwort "Bankenrettung" und in diesem Sinne nun gerade die Lufthansa ein schlechtes Beispiel für den Ablauf ist.

    Andererseits stellt sich mir die Frage: Warum?
    Warum mußte der Steuerzahler bürgen, warum hat keine Bank das Risiko übernommen?
    Offenbahr hatte Carsten Spohr ja eine Idee, wie's gehen kann und ist bereit, diese umzusetzen (anscheinend z.T. auf Kosten der Mitarbeiter im Flugbetrieb, wenn stimmt, was sich so über die neue Billig-Tochter der LH hören lässt). Warum war keine Bank bereit, dieses Risiko auf sich zu nehmen?

    Natürlich hat der Staat ein Interesse daran, die Mitarbeiter der LH in Lohn und Brot zu halten, daher ist der Staat natürlich auch immer ein Adressat, wenn's ums Anpumpen geht - vorausgesetzt, es gibt genügend Mitarbeiter, deren Wohl und Wehe in die Waagschale geworfen werden können; AirBerlin hat's nicht überlebt.

    Wenn es aber so ist, daß keine Bank mehr Vertrauen genug in das Unternehmen hatte, um die für die Umstrukturierung erforderliche Kreditlinie bereitzustellen, dann würde mich interessieren, wieso der Steuerzahler dieses Vertrauen gehabt haben sollte.

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  • Felix Tiede
    Felix Tiede
    2021-07-09

    Sowohl im “Corona-Crash”, als auch in der Finanzkrise von 2008 sind die Kurse fast aller Unternehmen weltweit eingebrochen. Das hat nichts mit der finanziellen Lage oder der Gewinnerwartung der einzelnen Unternehmen zu tun, die hat sich nämlich bei den meisten Unternehmen so kurzfristig gar nicht verändert.

    Okay, es gibt drei Gründe, warum der Aktienkurs eines Unternehmens fällt:
    1. Ein Short-Seller verbreitet Unwahrheiten, um mit dem fallenden Kurs Gewinn zu machen.
    2. Es gibt eine allgemeine Flucht von Anlegern aus dem Kapitalmarkt, weil das Vertrauen zurückgeht - das war bei bislang allen Börsencrashes der Fall.
    3. Das Unternehmen sinkt in seinem Gesamtwert, wie zuletzt eindrucksvoll bei Wirecard geschehen: Da fehlten plötzlich 2 Mrd. € an Gesamtwert und nur deshalb haben die Anleger ihre Anteile verkauft. In diese Kategorie fallen auch Unternehmen, die zwar nicht betrügen, aber überschuldet sind.

    Und einen vierten:
    Ein Großanleger muß seine Anteile verkaufen, weil er Bargeld braucht. Das Überangebot an Anteilsscheinen läßt deren Preis und damit dem Börsenwert des betroffenen Unternehmens sinken.

    Oder wie es in BWL so kurz und bündig hieß: "Fällt das Eigenkapital unter Null, ist der Laden pleite."

    Einen "Corona-Crash" gab es nicht.
    Der DAX steht bei ~15k Punkten, mit 12k Punkten vor Beginn der Pandemie.
    Der "Corona-Crash", von dem gesprochen wird, betrifft, wenn überhaupt, kleine und mittelständische Unternehmen, die von der Bewegungsfreiheit der Menschen leb(t)en, die sich im letzten Jahr drastisch reduziert hat. Und natürlich deren Mitarbeiter, die plötzlich auf der Straße sitzen und anderweitig für ihr Auskommen sorgen müssen.
    Aus dem DAX hat es einzelne Unternehmen getroffen, insbesondere natürlich solche, die in der Reise- und Touristikbranche tätig sind, aber das sind ja nicht alle 30 Stück.

    Insofern ist es vielleicht eine "Corona-Bauchlandung" bei der Lufthansa, bei TUI und anderen gewesen, aber "Crash" wohl eher nicht.

    Die Finanzkrise 2008 begann damit, daß jemand auf die Idee kam, die Kredite, die Lehman Brothers besaß, könnten vielleicht doch nicht so viel wert sein, wie in den Büchern stand - womit der Wert der Privatbank rapide fiel und weil durch Derivate und das Interbankenkreditsystem alle anderen großen Geldhäuser auf die eine oder andere Weise mit drinhingen, erfasste die Pleite (s.o.: Das Eigenkapital der Lehman Brothers ging gegen Null) auch andere Großbanken und die daranhängenden kleineren Institute.

    Das hat natürlich nicht den Buchwert eines Industrie- oder Transportunternehmens mit eigener Fertigungstechnik oder Flotte betroffen, der war unverändert.
    Üblicherweise sind es aber eben gerade Geldinstitute, die die größten Anleger solcher Unternehmen darstellen und die mußten plötzlich ihre Einlagen liquidieren. Und für die von dieser Einlagenliquidierung betroffenen Unternehmen hieß es entsprechend "fallender Börsenwert", obwohl sie nicht selbst weniger wert waren.

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  • Felix Tiede
    Felix Tiede
    2021-07-09

    Der DAX steht bei ~15k Punkten, mit 12k Punkten vor Beginn der Pandemie.

    Das ist ein Plus von 25% - überrascht mich jetzt so gar nicht, was Du schreibst.

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  • Thomas Runge
    Thomas Runge
    2021-07-09

    Einen "Corona-Crash" gab es nicht. Der DAX steht bei ~15k Punkten, mit 12k Punkten vor Beginn der Pandemie.

    Es gab auch keine Weltwirtschaftskrise, weil die Kurse heute viel höher sind als 1734!

    Letztes Jahr ist der DAX in einem Monat um 40% gefallen (Quelle). Dass die Kurse sich danach wieder erholt haben heißt doch nicht, dass das nicht stattgefunden hat...?

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  • Felix Tiede
    Felix Tiede
    2021-07-09

    Lass uns mal kurz die Zeiträume vergleichen...
    1734 bis 2008 sind, öhm, 274 Jahre.
    Die Pandemie ist jetzt bei ... 18 Monaten?

    Ein "Crash", gleich welcher Ursache, hieß bislang immer "gravierende Auswirkungen" auf das Leben vieler, bisweilen aller, Menschen, nicht nur auf die Kasinozocker an der Wallstreet.

    Der "schwarze Freitag" 1929 war so etwas, die Krise 2008 war nicht so heftig und bei Corona 2020 war es die Pandemie selbst, die das Leben veränderte und damit zu Ereignissen an den Märkten führte, nicht umgekehrt, wie bei den ersten beiden Beispielen.

    Wenn Michael Vogel von einem Wertzuwachs im vergangenen Jahr berichtet, muß der Vergleichszeitraum genausolang sein.
    Hätte er vom letzten Monat gesprochen, und hätte der DAX sich da anders entwickelt, wäre meine Aussage eine andere gewesen.

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  • 𝔉𝔯𝔦𝔱𝔷-𝔉𝔢𝔯𝔡𝔦𝔫𝔞𝔫𝔡 𝔳𝔬𝔫 𝔓𝔦𝔫𝔤𝔲𝔦𝔫
    𝔉𝔯𝔦𝔱𝔷-𝔉𝔢𝔯𝔡𝔦𝔫𝔞𝔫𝔡 𝔳𝔬𝔫 𝔓𝔦𝔫𝔤𝔲𝔦𝔫
    2021-07-30

    Mit anderen Worten:
    Der Steuerzahler hat für eine Kreditlinie gebürgt, die gereicht hätte, das gesamte Unternehmen zu kaufen.

    Wäre es dann nicht sinnvoller anstatt Lufthansa zu kaufen, einfach Anteile von Amazon zu kaufen? Die machen dort zumindest saftige Gewinne.

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