• Sven Türpe
    Sven Türpe
    2022-04-18

    Was soll das 9-Euro-Ticket bringen? Die Leute fahren doch nicht Auto, weil der ÖPNV zu teuer wäre, sondern weil individuelle Verkehrsmittel bequemer und leistungsfähiger sind. Um das nachvollziehen zu können, braucht man nicht mal ein Auto, ein Fahrrad genügt.

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  • Aladár Mézga (old)
    Aladár Mézga (old)
    2022-04-18

    Bequem ja, aber "leistungsfähiger"? Jeder Bus schafft da mehr. Mir ist durchaus bewusst, dass in ländlichen Gebieten der ÖPNV oft nicht sonderlich gut entwickelt ist. Wie gesagt, es geht um einen Anfang. Bisher subventioniert die Bundesregierung nämlich im Prinzip nur Autokäufer - und selbst da nur die wirklich, die sich einen großen, schweren Boliden vor die Tür stellen. Wer sich einen elektrischen Kleinwagen kaufen möchte, geht leer aus. Leider konnte ich keine Zahlen dafür finden, wie viel schon für diese Art der "Förderung" ausgegeben wurde.

    Allerdings ist es in Gebieten mit genügend ÖPNV auch immer noch so, dass sich Leute überlegen, ob sie wirklich irgendwo hin müssen, denn so niedrig sind die Ticketpreise wirklich nicht. Außerdem gibt es da einen Punkt, an dem man anders entscheidet: Wie viel kostet mich der ÖPNV, wo ich mich vielleicht mit anderen Leuten in ein Gefährt zwängen muss, wie lange dauert es, mein Ziel zu erreichen, wie viel kostet das mit dem Auto, wie lange brauche ich da, gibt es Parkplätze?

    Berlin z.B. hat über Jahre hinweg Linien abgebaut, immer mit der Begründung, dass Passagiere fehlen würden. Gleichzeitig wurden die Ticketpreise erhöht. Diesen Trend könnte man zur Abwechslung also mal umkehren. Und wenn man das Dienstwagenprivileg weglässt, hat man nochmal drei Milliarden zur Verfügung. Das wäre doch einen Versuch wert...

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  • Erik Pusch ☑️
    Erik Pusch ☑️
    2022-04-18

    ich kenne auch genug Autofahrer, wo immer der Ticketpreis des ÖPNV als Argument rausgekramt wird oder die schrecklich lange Fahrzeit.

    Bin ja nun in einer Großstadt und dann nehme ich mal eine Nachbarin von mir als Beispiel: Arbeitet im Krankenhaus und fährt jeden Tag mit dem Auto.

    Tante Google sagt rund 11-13min Fahrzeit, falls kein Stau ist. Gleiche Strecke mit dem Fahrrad: 11min. Und mit dem ÖPNV (wahlweise U-Bahn oder Tram): 16min.

    Wäre beim Klinikum nicht der kostenlose Parkplatz vom Chef den sie nutzen darf, würde die Wahl der Beförderungsart vielleicht ein wenig anders ausschauen (der Chef fährt übrigens immer mit dem Radl oder öffentlich).

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  • Erik Pusch ☑️
    Erik Pusch ☑️
    2022-04-18

    Parkzonen und Anwohnerparkplätze die was kosten gibt's schon in vielen Münchner Stadtvierteln. IMHO das größere Problem sind aber die Unmengen von Autos, die jeden Tag aus dem Münchner Speckgürtel reinfahren. Ich bin schon lang für eine ordentliche Congestion-Charge wie in Bergen, Oslo, London, etc. Und die Innenstadt innerhalb des Altstadtrings gehört meiner Meinung nach komplett für Autos gesperrt mit Ausnahme ÖPNV, Taxis und der Handvoll Anwohner (das hat sogar BMW (!!!) schon 1991 vorgeschlagen:

    https://www.tz.de/muenchen/stadt/ausgerechnet-wie-bmw-stadt-ohne-pkw-plante-es-in-einigen-metropolen-schon-gibt-zr-11579233.html

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  • Erik Pusch ☑️
    Erik Pusch ☑️
    2022-04-18

    @Sascha das mit den Parkplätzen an der Peripherie haben wir seit 25 Jahren - heisst hier Park&Ride und die Tarife sind zwischen 0,50 EUR und 1,50 EUR pro Tag (!) und Auto - Mengenrabatt gibt's außerdem auch noch (https://www.parkundride.de/de/parkpreisliste.html). Da brauchst auch nicht wirklich was mit dem ÖPNV verrechnen. Und ein Teil der Parkflächen sind praktisch nah am mittleren Ring (quasi der Münchner Ringautobahn). Da ist die Fahrzeit mit der U/S-Bahn ins Zentrum <10min. Nichtsdestotrotz ist da fast überall tagsüber noch Platz.

    Wenn Du mich fragst: Die Autofahrer werden einfach von vorn bis hinten zu viel gepampert. Wer im Münchner Speckgürtel (= S-Bahn Einzugsgebiet) wohnt ist kein armer Schlucker - da sind die Mieten/Immobilienpreise praktisch genauso hoch wie in München Stadt. Da kommt immer das Argument, man möchte lieber "im Grünen" wohnen - ich kenne niemanden mit wenig Geld der in der Pampa wohnt - ganz im Gegenteil - die Leute mit knapper Kasse wohnen stadtnah, weil sie dann kein Auto brauchen und die Wohnungsgrößen sind dann nicht immer menschenwürdig.

    Ach ja: Ich habe eine Jahreskarte für den ÖPNV die ich nur leidlich nutze, weil ich meistens mit dem Radl unterwegs bin (so 6000km/Jahr in der Stadt) und ein Auto gibt's auch - letzteres rentiert sich nur mäßig, steht meistens in der Garage weil ich keinen Bock habe, dauernd Parkplätze bei meinen Kunden zu suchen (aber ab und an brauch ich die Kiste zum transportieren sperriger Dinge und für Reisen in die Wallachei).

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  • Aladár Mézga (old)
    Aladár Mézga (old)
    2022-04-19

    Zuerst kurz OT: Das ist schräg: Als ich meinen ersten Kommentar abgab, war für mich kein Kommentar von Sascha sichtbar, nur der von Sven...

    Mir ist klar, dass wir wesentlich mehr brauchen als ein 9-Euro-Ticket, das mehr passiert aber nicht. Und da sehe ich die Chance, über dieses Ticket eine Veränderung herbeizuführen. Klar, klappt nicht unbedingt 100%ig, aber es wäre einen Versuch wert und es wäre ein Anfang, um weitere Veränderungen einzuleiten.

    Man schaue sich einfach mal das Herumgedruckse auf der RegPK an. Diesen Leuten muss man mit Argumenten kommen, die sie nicht mit irgendwelchem BS abwimmeln können, ohne sich absolut lächerlich zu machen.

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  • Erik Pusch ☑️
    Erik Pusch ☑️
    2022-04-19

    Das liegt aber auch an den hier immer noch unsinnigen Standardarbeitszeiten vieler Firmen, die echt nicht nötig waren. Fahre in München mit dem ÖPNV um 7, 8, 9 und 10 Uhr und du siehst gewaltige Unterschiede.

    Bei manchen Berufen geht es nicht ohne weiteres ohne feste Schichten, aber die Hinderttausende Leute die Bürojobs haben, müssen echt nicht einen 9 to 5 Job haben. Wird zwar langsam besser mit der Flexibilität, aber es lässt zu wünschen über.

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  • Sven Türpe
    Sven Türpe
    2022-04-19

    @Aladár Mézga Welche Vorteile hast Du als Fahrgast, wenn Du öffentliche Verkehrsmittel statt individueller benutzt? Welche Nachteile stehen ihnen gegenüber?

    @Erik Pusch Wie oft lautet der reale Use Case: „Ich will zu einer günstigen Tageszeit auf direktem Weg zur Arbeit und zurück.“? Wie oft kommen in der Realität Komplikationen hinzu, zum Beispiel:

    • „Meine Schicht beginnt um 22:00 Uhr.“
    • „Auf dem Arbeitsweg möchte ich die Kinder abgeben, auf dem Heimweg einkaufen.“
    • „Eine anfängliche Verspätung von fünf Minuten soll sich unterwegs nicht durch Taktung vergrößern.“
    • Der ÖPNV ist einen Kilometer von meiner Wohnung entfernt und anderthalb von meinem Ziel.“

    usw.?

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  • Aladár Mézga (old)
    Aladár Mézga (old)
    2022-04-19

    Mit einer Überlastung, zumindest zeitweise, rechne ich auch. Das wird wohl so wie mit dem Wochenend-Ticket der Bahn werden, als das rauskam. Das zeigt aber zumindest, dass der Bedarf da ist, wenn die Preise stimmen. Die BVG in Berlin hat ja Streckenabbau immer mit fehlendem Bedarf begründet.

    Auf dem Land, aber auch allgemein, spekuliere ich auf das selbstfahrende Auto. Das wird von den Autokonzernen zwar hauptsächlich verfolgt, um die Verkaufszahlen ihrer Straßenpanzer zu steigern, würde aber auch kleinere Busse für's Land und kürzere Einheiten für die Bahn erlauben. In der Stadt dürfte das zu autonomen Taxis und weniger Autos führen. Ich bin also durchaus für diese Forschung...😁

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  • Aladár Mézga (old)
    Aladár Mézga (old)
    2022-04-19

    Ahem, Sven, du kennst die Bedeutung des Wortes "Anfang"? Es wäre ein Anfang. Wenn wir bis zur perfekten Lösung für alle unsere Probleme warten wollen, sitzen wir noch am St. Nimmerleinstag hier und drehen Däumchen.

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  • Erik Pusch ☑️
    Erik Pusch ☑️
    2022-04-19

    @Sven Türpe

    ich antworte Dir mal als Bewohner des Großraums München (wo wir eine leidlich funktionierende ÖPNV Infrastruktur haben - und bitte dran denken 60% aller Deutschen leben in Orten >20.000 Einwohner wo ich eine gewisse lokale Infrastruktur erwarte).

    „Meine Schicht beginnt um 22:00 Uhr.“

    Da fährt der ÖPNV größtenteils noch wie sonst außerhalb des Berufsverkehrs (und das geht bis ca. nach Mitternacht so). Nur in den peripheren Einfamlienhauswüsten mußt Du mit ausgedünnten Busfahrplan rechnen. Zur nächsten U-/S-Bahn mit 10min Takt sind es dann aber auch in diesen Gegenden meist unter 2km. Die kann man mit dem Radl in ein paar Minuten fahren (oder Park&Ride).

    „Auf dem Arbeitsweg möchte ich die Kinder abgeben, auf dem Heimweg einkaufen.“

    Das Kinder im Kindergarten abliefern/abholen ist fußläufig nie ein Problem gewesen, ditto Schulweg - außerdem war der Nachwuchs da recht bald autark unterwegs (allerdings gibt so viele gestörte Helikoptereltern, dass schon viele Schulen großflächige Halteverbote rund um die Schulen haben). Und Einkaufen auf dem Heimweg ist auch kein Problem, muß man halt ggf. etwas anders nach Hause fahren - das größere Problem sind da die bayrischen Ladenöffnungszeiten.

    Und apropos Einkaufen: Die großen Läden/Märkte sind fast alle einen km oder mehr entfernt. Während der Woche kippen wir alles Glas/Plastik/Blech in unseren Hackenporsche (München hat keinen gelben Sack), kippen den Krempel in die Wertstoffcontainer und 80% des Wochenbedarfs unsere 4-Personenhaushalts passen in das Einkaufswagerl.

    „Eine anfängliche Verspätung von fünf Minuten soll sich unterwegs nicht durch Taktung vergrößern.“

    Das hält sich im Falle eines Falles beim Umsteigen meist in Grenzen, weil tagsüber der Takt der meisten ÖPNV-Linien max. 10min ist. Ich habe Kunden im Münchner Raum, bei denen ich mit dem Auto je nach Verkehrslage zwischen 30min und worst case 2h Fahrtzeit rechnen muß. Damit kannst auch nicht kalkulieren.

    "Der ÖPNV ist einen Kilometer von meiner Wohnung entfernt und anderthalb von meinem Ziel.“

    Tja: obwohl ich mitten in München lebe sind die nächsten U-/S-Bahnhaltestellen alle über einen km entfernt. Und am anderen Ende oft auch noch einen halben Kiometer bis zum Ziel. Das hindert mich in keinster Weise dran, da zu Fuß hinzugehen oder per Radl zur Haltestelle zu fahren. Trambahn und Bus sind näher, bringen mir aber meistens keine Fahrzeitersparnis.

    Mit Deinen Use-Cases hab ich da im Großen und Ganzen keine Probleme und da ist auch nix dabei, wo ich mit dem Auto viel Zeit sparen würde: Ganz im Gegenteil: Bei den meisten meiner Kunden gibt es keine Parkplätze vor Ort, also verblödel ich da viel Zeit mit Parkplatzsuche. Wenn's Wetter ok ist, bin ich aber meist mit dem Radl unterwegs (>6000km/Jahr) weil das meistens das schnellste ist.

    Kollege von mir ist vor Kurzem von München in die oberbayrische Pampa gezogen (der Ort hat >15.000 Einwohner) und hat dort eine interessante Erfahrung gemacht:

    Zum örtlichen Einkaufsparadies im Gewerbegebiet ist es an keiner Stelle weiter als einen halben Kilometer Luftlinie, aber niemand dort geht zu Fuß einkaufen oder fährt mit dem Fahrrad hin. Bei seiner alten Wohnung in München in einem Neubaugebiet ist das Einkaufszentrum genauso weit weg gewesen und da sind eher 80-90% zu Fuß hingegangen.

    Deckt sich aber mit meiner Einschätzung, dass den meisten Landbewohnern das Auto schlichtweg an den Arsch gewachsen ist. Und die machen das auch in einer Großstadt so (ich hab genügend ehemalige Landeier in meinem Bekanntenkreis - die jammern dauernd über den Autoverkehr, auch wenn Sie fast Tür zu Tür ÖPNV fahren könnten).

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  • Aladár Mézga (old)
    Aladár Mézga (old)
    2022-04-19

    @Saschada muss ich die Wissenschaftler zitieren, die seit Jahrzehnten vor der Klimakrise warnen: Die Lösungen sind da, es fehlt der politische WIlle.

    Wenn die Bahn z.B. endlich ihre hochfliegenden Börsenträume austräumen und wieder auf der Erde landen sollte, könnten sie mit dem Ausbau des Schienennetzes beginnen - nachdem sie es ja erstmal "reduziert" hatten. Da kann man auch vorübergehend mehr Lokführer einstellen.

    Bei den Leuten, die nicht sehr weit vorausschauen möchten/können, wird die Frage letztlich sein, wie groß der Druck durch die Lebensumstände ist. In einigen Gebieten wird ja inzwischen sogar Wasser knapp...

    ...und da sieht man dann auch gleich ein sehr deutsches Hindernis: die Ich-Mentalität. Warum soll ich mit denen teilen? (siehe quer letztens zum Wasserzins) Das wird neben dem Unwillen der Politik wohl das zweite große Problem...

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  • Erik Pusch ☑️
    Erik Pusch ☑️
    2022-04-19

    @Sascha Aber an Deinem Beispiel sieht man ja die ganze Misere hier: Der Bedarf ist bei der Neckartalbahn da, die Kundschaft ist da und bis was passiert, braucht es i.a. Jahrzehnte.

    Sieht man auch schön an München: Die Münchner S-Bahn wurde in den 60ern für ca. 250.000 Fahrgäste am Tag geplant. Inzwischen sind wir knapp an einer Million Fahrgästen pro Tag, bei kaum ausgebautem Netz. Und immer noch gibt es einige eingleisige Strecken (und vor kurzem einen Zusammenstoß zweier S-Bahnen). Und der zweite Stammstreckentunnel ist zwar im Bau, aber der wird nicht viel Probleme lösen, nachdem man sich entschlossen hat, die Innenstadt mit nur einem Halt am Marienplatz zu durchqueren (und das ist jetzt schon einer der überlastetsten Umsteigepunkte).

    Gleise für eine Ringbahn wären auch da - nicht überall ganz optimal gelegen, aber da haben wir auch schon jahrelangen Hickhack gehabt, ob man an der angedachten neuen Haltestelle am ehemaligen Südbahnhof die Gleise nun hoch genug für eine S-Bahn macht oder nicht (Bei Sperrung der Stammstrecke werden dort regelmäßig S-Bahnen lang geschickt). Aber halt nur keine Fakten schaffen, damit man die von der Politik ungeliebte Ringbahn vermeiden kann.

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  • Erik Pusch ☑️
    Erik Pusch ☑️
    2022-04-19

    Das Problem mit der schiefgelaufenen Verkehrspolitik haben wir in vielen Teilen Deutschlands. In Mitteldeutschland gibt/gab es ja an sich ein recht dichtes Schienennetz, aber auch inzisvhen oft zurückgebaut oder stillgelegt oder halt nicht sinnvoll betrieben. Hier und da gibt es aber Lichtblicke: Chemnitz baut sich ein Stadtbahnsystem ähnlich wie in Karlsruhe auf: Die innerstädtische Tram wird nach außen verlängert und nutzt dort dann Gleise der Bahn.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Chemnitzer_Modell

    Zum Einsatz kommen Fahrzeuge, die sowohl elektrisch als auch mit Diesel fahren - es hapert mal wieder mit der Elektrifizierung bei der Bahn und man wollte nicht auf den St. Nimmerleinstag warten bis sich da was tut. Und wie man dort sieht, kann man auch mit einem ziemlichen Verhau an unterschiedlichen Bahnsteighöhen improvisieren.

    Im Raum Leipzig/Halle hat man jetzt auch den Ausbau der S-Bahn nach Merseburg und Gera beschlossen - das dürfte auch für eine ganze Reihe von Ortschaften eine deutliche Verbesserung bringen.

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  • Oliver
    Oliver
    2022-04-24

    Ich wohne in einer kleinen Stadt mit weniger als 70.000 Einwohnern, inklusive der Käffer drumherum. Arbeiten tu ich in einer Großstadt, ca 30 km entfernt. Nun habe ich das Glück, dass der Bahnhof lediglich 1 km weit von meinem Zuhause entfernt ist. Ich brauche rund 50 Minuten mit Zug und U-Bahn, wenn alles rund läuft. Mit dem Auto brauche ich weniger als 30 Minuten, wenn kein Stau ist. Die Bahn fährt alle halbe Stunde, aber nur jede Stunde durch, ansonsten muss ich umsteigen. Wer nicht ganz so günstig wohnt wie ich, der hat es schwer mit dem ÖPNV. Möglich ist es schon, aber dauert erheblich länger und ist dann mit mehrfachem Umsteigen verbunden und wenn man den Anschluss wegen Verspätung nicht kriegt, dann dauert es noch Mal erheblich länger.

    Gerade bin ich in Berlin. Hier ist die Nutzung des ÖPNV extrem gut möglich und alle drei Minuten kommt eine Bahn. Durch die Taktung ist auch Umsteigen kein Problem, selbst wenn man sich verspätet. Das ist ziemlich nah an perfekt, aber so natürlich nicht überall möglich. Sogar Auto fahren wäre in Berlin sicherlich viel unproblematischer, als in Köln oder Düsseldorf. So erscheint es mir jedenfalls.

    Das 9€-Ticket erscheint mir in dieser Form wenig sinnvoll. Wesentlich sinnvoller wäre aus meiner Sicht, wenn der ÖPNV dauerhaft günstiger und attraktiver würde. Ich weiß nicht, warum das Ticket ausgerechnet 9€ kostet. Sonst zahlt man aufgrund der Tarifstruktur schon 6€ für eine(!) Fahrt über den Rhein. Ein Monatsticket von einer Stadt in die andere kostet sonst meist eine dreistellige Summe. Und wenn man von einem Verkehrsverbund in einen anderen fährt, dann ist es noch Mal teurer und komplizierter.

    Aus meiner Sicht ist es in ländlichen Bereichen zurzeit nicht möglich auf ein Auto zu verzichten, in kleinen Städten nur mit starken Einschränkungen und sogar in kleineren Großstädten ist die Situation bei weitem nicht so komfortabel, wie in den großen Metropolen.

    Ich denke aber, dass man durchaus sinnvolle und den Bürger nicht zu sehr einschränkende Lösungen durchsetzen könnte. Warum die Autos zum Beispiel immer größer werden, leuchtet mir absolut nicht ein. In den großen Metropolen gehören die schlicht verboten und dürften da imho gar nicht rein fahren. Ausnahmen für Handwerker und Co müsste es natürlich geben. Aber warum soll denn jeder einen Stadtpanzer in eine Großstadt lenken dürfen und da die Straßen verstopfen? Wofür gibt es P+R? Apropos: Der ist auch ausbaubar. Ich erinnere mich an einen Amsterdam-Trip vor vielen Jahren. Da konnte man auf einem P+R 24h parken und bekam ein Ticket für den ÖPNV und das hat damals nur 5 Gulden gekostet. Selbst wenn das heute 10€ kosten würde, wäre das immer noch unschlagbar.

    Ich muss ja zugeben, dass ein Traum von mir ein Wohnmobil ist. Dennoch müsste ich damit nicht in Großstädte rein fahren und schon gar nicht da den Anwohnern die wenigen Parkplätze weg nehmen. Wer so einen Trümmer wie einen SUV, Bus oder ein Wohnmobil in der Stadt parken will, soll sich einen Stellplatz mieten oder extra Parkgebühr zahlen.

    Man könnte so vieles machen, aber bislang tut sich nicht wirklich viel. Außer dass man Straßen künstlich verengt und den Verkehrsfluss behindert ohne echte Alternativen zu schaffen.

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  • Aladár Mézga (old)
    Aladár Mézga (old)
    2022-04-24

    Ja, könnte... Wie auch andere rechne ich damit, dass die drei Monate zumindest zum Teil Chaos werden. Allerdings hoffe ich, dass viele Leute dann "angefixt" sind (weiter pauschal 9 Euro pro Monat) und fordern, das permanent zu machen. Ohne Druck passiert in dieser Richtung in der Bundesregierung wahrscheinlich nichts.

    Und dann könnte man den ÖPNV ein wenig ausbauen. Japan z.B. beherbergt zwar auch mehrere Automarken, aber der ÖPNV ist da trotzdem ziemlich gut ausgebaut. Warum also nicht auch in D?

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  • Aladár Mézga (old)
    Aladár Mézga (old)
    2022-04-25

    Ja, die letzte Bahn muss man halt noch erwischen, sonst bleiben nur sehr gute Füße oder eine Unterkunft.😁 Mir ging es aber hauptsächlich um den Kontrast zu D: Trotz mehrerer großer Automarken ist der ÖPNV gut ausgebaut. Es geht natürlich auch noch viel schlimmer, siehe Amiland.

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