• Wolfgang Strobl
    Wolfgang Strobl
    2022-08-26

    Für die Friedrichstraße in Düsseldorf sind viele Umbauten geplant. Bis 2026 sollen dort neue Radwege, breitere Fahrbahnen, mehr Platz für Fußgänger und die Gastronomie entstehen. Im Zuge dessen hat nun der grüne Bezirksbürgermeister Dietmar Wolf die Idee auf den Weg gebracht, den nördlichen Abschnitt zwischen Herzogstraße und Graf-Adolf-Platz komplett zur Fußgängerzone umzugestalten.

    (aus "Wird die Friedrichstraße bald eine Fußgängerzone?")

    Die Fronten verlaufen in diesem Kontext nicht immer dort, wo die platten Überschriften es suggerieren. Fußgängerzonen waren immer schon primär ein Wirtschaftsförderungskonzept, in welchem dem Autoverkehr der rote Teppich ausgerollt wurde, mit fetten Zubringerstrassen sowie Parkhäusern an der Peripherie und Tiefgaragen untendrunter. Radverkehr wird bestenfalls geduldet, manchmal aber auch ganz ausgesperrt. Problematisch sind Fußgängerzonen für den Radverkehr, weil dieser umwegempfindlich ist und weil Radfahren eher Wegeketten entlang mehrerer Zielen nahelegt als eine einzelne Zielfahrt zu einer Parkgarage.

    Oft findet Radverkehr zwischen Zielen statt, die beide nicht innerhalb einer Fußgängerzone liegen, die liegen dann wie ein Klotz im Wege. Das macht diese FDP-Forderung noch problematischer, als der auf die Zone selber verengte Blick glauben macht.

    Ein Limit von 10 km/h für Fahrräder (Fahrräder, nicht "Fahrräder" aka Pedelec) ist absurd. Typischerweise lässt man es Autofahrern durchgehen, wenn sie unter "Schritttempo" 15-17 km/h verstehen und sich damit herausreden, dass ihr Tacho das eh nicht so genau anzeige. Tatsächlich gehen Fußgänger mit etwa 5 km/h.

    Aber: Ein SUV wie z.B. ein BMW X3 fährt mit seinen zwei Tonnen Leergewicht bei einem Tempo von 10 km/h schon eine kinetischen Energie von 7716 J spazieren, ein 70kg-Radfahrer auf einem 15kg-Rad hingegen 128 J., also nur rund ein Sechzigstel davon. Das bedeutet, dass Autos auch bei diesem Tempo noch sehr gefährlich sind, Radfahrer hingegen nicht so sehr. Trotzdem lässt man in allen Fußgängerzonen, die ich kenne, Autoverkehr bedenkenlos zu, entweder nennt man es Ladeverkehr, oder man verteilt, wie in Bonn, zusätzlich auch noch Ausnahmegenehmigungen an praktisch jeden, der die mäßige Gebühr bezahlt und irgend einen Grund nennen kann. In Düsseldorf wird das nicht anders sein.

    Bei Wegeketten innerhalb der Fußgängerzone fährt kaum jemand mit dem Rad so schnell, wie er oder sie das auf einer vernünftigen Fahrbahn könnte, weil das nur unnötig Kraft kostet, wenig bringt und es ein Risiko nicht für für die Fußgänger ist, sondern auch für die Radfahrenden selber. Problematisch wird es aber für den radfahrenden Durchgangsverkehr, der auf einer vernünftigen Fahrbahn viel schneller fahren könnte. Auch so wird Autofahren gefördert.

    Ärgerlich in diesem Zusammenhang ist nicht nur die F.D.P., die für pompöse "auto first!"-Forderungen bekannt und berüchtigt ist ("Freiheit" ist immer nur die Freiheit der aktuell vertretenen Klientel), sondern auch die lautstarke Fraktion von Fahrradaktivisten, die sich ebenfalls die Entschleunigung von Radverkehr zum Ziel gesetzt hat, durch Radwege nach holländischem Vorbild. Radentscheide verfolgen ausnahmslos diese Richtung. Es wundert nicht, dass sich deren Aktivitäten hauptsächlich auf "unser Dorf, ahem, unsere Fußgängerzone soll schöner werden" konzentrieren. Etwas mehr Weitblick, auch im Wortsinne, wäre angebracht.

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