• benedict16b@despora.de
    benedict16b@despora.de
    2023-09-29

    Einige Überlegungen zu dem zusammengefaßten Text von meiner Seite:

    • die genannten durchschnittlichen Strompreise von 2.4 - 3.3 Cent / KWh liegen weit unter den jetzigen Selbstkostenpreisen von Wasser- Atom- Windkraft. Der Wert der Studie ist deshalb aus meiner Sicht dadurch geschmälert. Es scheint mir sehr fraglich zu sein, daß bei diesen Strompreisen die erforderlichen Investitionen stattfinden,

    • die Energiewende ist mit begrenzten finanziellen Ressourcen konfrontiert. Der umfassende Ausbau der Erneuerbaren oder der Atomenergie an einer Stelle Nordeuropas führt zur Gefährdung der Investitionen an anderer Stelle der Region. Die Energiewende kann deshalb möglicherweise aus finanziellen Grünen nicht in der Region als ganzes durchgeführt werden. Eine zeitliche Streckung der ursprünglichen Ausbaupläne, weit über das Jahr 2050 hinaus, wäre die Konsequenz davon,

    • das Schicksal der Energiewende in Nordeuropa ist von der offshore-Windkraft abhängig. Gegenwärtig werden Investitionen in diesem Bereich aus Kostengründen zurückgefahren. Das wirtschaftliche Potential der offshore-WKA scheint überschätzt worden zu sein,

    • die Kernenergie spielt auch im Jahr 2050 eine bedeutende Rolle, besonders in Süddeutschland. Anscheinend hat das Simulationsprogramm sich an den zukünftig zu erwartenden Marktpreisen orientiert. Allerdings scheint es fraglich, die ausgewiesene Strommenge von 380 TWh / a in AKWs der europäischen Nachbarländern bereitzustellen. Auch damit ist die Zukunft der deutschen Energiewende gefährdet,

    • die Studienaotoren betonen, daß sie nicht auf die Kostenschätzungen für die Kernernergie der Internationalen Energieagentur (IEA) zurückgreifen. Die IEA-Daten werden in Deuschland häufig von Atomkraftgegnern als Argument gegen die Kernenergie verwendet. Die Studienautoren dagegen benutzen Daten, die auch in anderen, von mir zusammengefaßten schwedischen Studien verwendet werden,

    • Schweden scheint im Gegensatz zu Deutschland sich nicht dem Vorwurf neokolonialer Außenbeziehungen auszusetzen. Der prognostizierte riesige Wasserstoffbedarf Schwedens wird in dieser wie auch in anderen Studien im Land selbst erzeugt,

    • in der Studie wird eine klare Trennung der Arbeitsbereiche von Batterie- und den anderen Energiespeicherarten wie Wärme und Wasserstoff gezogen. Batteriespeicher sind demnach nur für den relativ kleinen Teil der Solarenergie wirklich hilfreich. Der Ausbau von Wärme- und Wasserstoffspeichern entspricht dagegen dem Gros der Erneuerbaren Energien. In Deutschland hört man wenig zu Wärme- und Wasserstoffspeichern, glaube ich,

    • in Deutschland wird das Thema des Marktes der Netzstabilisierungsleistung ausgeblendet,

    • in Deutschland wird von der Politik die Schaffung eines Kapazitätsmarktes angestrebt. Dabei geht es um thermische Kraftwerke, die nahezu das ganze Jahr quasi im Leerlauf am Netz hängen und dabei Kosten verursachen. Der von diesen Kraftwerken in den wenigen Stunden akuter Produktionsengpässe erzeugte Strom würde demnach an den Strombörsen zu immensen Preisen gehandelt. Mit der Schaffung eines Kapazitätsmarktes versucht die deutsche Politik, diese Kostenkomponente einer stark fluktuierenden Stromerzeugung unsichtbar zu machen. Allerdings ist ein Markt für Kapazizätsleistung im europäischen Energiemarktdesign nicht vorgesehen,

    • das Problem der fluktuierenden Stromerzeugung der Erneuerbaren Energien könnte durch das "smarte" Zusammenspiel der Akteure des Energiesektors gelöst werden, auf der Basis einer weitreichenden Digitalisierung. Allerdings nimmt die Robustheit dieses essentiellen Systems der Energieversorgung damit wohl ab. Andererseits ist unverkennbar, daß die Bereitstellung "smarter" Dienstleistungen gut zum neoliberalen Geschäftsmodell paßt.

    Insgesamt vermittelt die Studie eine positive Aussicht auf die Energiewende. Nach meiner Meinung auf der Basis fragwürdiger Annahmen und Ergebnisse.

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